Wissensbank—Barrierefreiheit

Website auf Barrierefreiheit prüfen: Ablauf in fünf Schritten

Redaktion ScanCompliance——7 Min. Lesezeit
Grafik mit Reglern für Schriftgröße und Kontrast und einem fokussierten Eingabefeld als Sinnbild für eine Barrierefreiheitsprüfung

Wer eine Website auf Barrierefreiheit prüfen will, hat zwei Arten von Tests zur Auswahl: einen automatischen Check, der den Code auswertet, und eine manuelle Prüfung, bei der ein Mensch die Seite bedient. Keine der beiden reicht allein. Dieser Ratgeber beschreibt einen Ablauf, der beide verbindet – vom Prüfumfang über PDF-Dokumente bis zur Wiederholung nach Änderungen.

Warum ein einzelner Test nicht genügt

Automatisierte Werkzeuge erkennen etwa 30–40 % der WCAG-Kriterien zuverlässig. Das W3C hält in seiner Übersicht zur Bewertung von Barrierefreiheit fest, dass kein Werkzeug allein feststellen kann, ob eine Website die Standards erfüllt; dafür braucht es eine fachkundige menschliche Prüfung.

Der Unterschied zeigt sich an einfachen Beispielen. Ein Tool erkennt, dass einem Bild der Alternativtext fehlt. Ob ein vorhandener Alternativtext das Bild sinnvoll beschreibt, erkennt es nicht – „Bild1.jpg“ als Alt-Text besteht den technischen Test. Ebenso misst ein Tool, ob ein Formularfeld beschriftet ist, aber nicht, ob eine Fehlermeldung verständlich erklärt, was falsch eingegeben wurde. Der sinnvolle Weg ist deshalb: erst automatisch die messbaren Fehler finden, dann gezielt von Hand nachprüfen.

Schritt 1: Prüfumfang festlegen

Bevor Sie testen, legen Sie fest, welche Seiten und Abläufe dazugehören. Eine Website besteht meist aus wenigen Seitenvorlagen, die sich vielfach wiederholen. Für einen ersten Durchgang reicht es deshalb in der Regel, je Vorlage eine typische Seite zu prüfen und zusätzlich alle Abläufe, in denen Besucher etwas erledigen wollen:

  • Startseite und Hauptnavigation, auch in der mobilen Ansicht
  • je eine Inhalts-, Kategorie- und Produkt- oder Leistungsseite
  • Kontaktformular, Terminbuchung oder Reservierung
  • Warenkorb, Checkout und Kundenkonto bis zum letzten Schritt
  • eingebundene Elemente von Drittanbietern wie Cookie-Banner, Chat-Fenster oder Buchungs-Widgets
  • Dokumente zum Herunterladen, etwa AGB, Preislisten oder Produktdatenblätter als PDF

Fehler in einer Vorlage tauchen auf allen Seiten auf, die sie nutzen. Wer sie an einer Stelle behebt, behebt sie überall.

Schritt 2: Automatischen Test durchführen

Der automatische Test liefert in kurzer Zeit eine Liste der Mängel, die sich im Code nachweisen lassen. Der BFSG-Check ist Teil des kostenlosen Scans und prüft mit dem Prüfwerkzeug axe-core die maschinell messbaren WCAG-2.1-AA-Kriterien, darunter Farbkontraste, Alternativtexte, Beschriftungen von Formularen und Buttons, Tastaturbedienung und Sprachauszeichnung. Jeder Befund nennt das betroffene Element, die Fundstelle und das WCAG-Kriterium.

Gehen Sie die Befunde nicht Seite für Seite durch, sondern gruppieren Sie sie nach Ursache. Zehn Kontrastfehler können auf eine einzige Farbe im Theme zurückgehen, zwanzig unbeschriftete Links auf ein einziges Icon im Seitenfuß. Welche Kriterien über den automatischen Teil hinaus dazugehören, zeigt unsere Barrierefreiheit-Checkliste.

Schritt 3: Manuell nachprüfen

Für die folgenden Tests brauchen Sie kein Spezialwissen, nur einen Browser und etwas Zeit. Eine ausführlichere Anleitung bietet das W3C mit den Easy Checks (englisch).

Tastatur-Durchgang

Legen Sie die Maus beiseite und bewegen Sie sich nur mit Tab, Umschalt+Tab, Enter, Leertaste und Pfeiltasten durch die Seite. Prüfen Sie dabei: Ist jederzeit sichtbar, wo der Fokus steht? Lässt sich der Cookie-Banner schließen, das Menü öffnen, ein Dialog wieder verlassen? Kommen Sie durch den gesamten Bestell- oder Buchungsablauf, ohne hängen zu bleiben?

Vergrößerung

Stellen Sie den Browser-Zoom auf 200 % und gehen Sie dieselben Seiten noch einmal durch. Achten Sie darauf, ob Texte abgeschnitten werden, sich überlappen oder ob Bedienelemente aus dem sichtbaren Bereich rutschen.

Alternativtexte und Linktexte lesen

Lesen Sie die Alternativtexte der wichtigsten Bilder und fragen Sie sich, ob jemand ohne das Bild dieselbe Information erhält. Prüfen Sie außerdem Linktexte: „Hier klicken“ oder „Mehr“ sagen ohne Umgebung nichts darüber aus, wohin der Link führt.

Formulare mit Fehlern absenden

Senden Sie Kontakt- und Bestellformulare absichtlich unvollständig oder mit falschen Angaben ab. Wird klar, welches Feld betroffen ist und was zu korrigieren ist? Bleiben die bereits eingegebenen Daten erhalten?

Stichprobe mit Screenreader

Ein Screenreader zeigt, ob die Seite in sinnvoller Reihenfolge vorgelesen wird und ob Schaltflächen verständlich benannt sind. Unter Windows ist NVDA kostenlos verfügbar, auf Apple-Geräten ist VoiceOver bereits eingebaut. Schon wenige Minuten mit dem Kontaktformular oder dem Warenkorb machen Barrieren deutlich, die kein automatischer Test meldet.

PDF-Dokumente gesondert prüfen

Prüfwerkzeuge für Webseiten wie axe-core werten den HTML-Code einer Seite aus. PDF-Dateien sind ein eigenes Format und brauchen einen eigenen Test. Die Bundesfachstelle Barrierefreiheit nennt auf ihrer Seite Testen von digitaler Barrierefreiheit dafür den PDF Accessibility Checker (PAC).

Typische Schwachstellen in PDFs sind fehlende Struktur-Tags, eine falsche Lesereihenfolge, Bilder ohne Alternativtext, eine fehlende Angabe der Dokumentsprache und eingescannte Seiten, die nur aus einem Bild bestehen. Oft ist es einfacher, kurze Inhalte wie Öffnungszeiten oder Preislisten direkt als HTML-Seite anzubieten statt als PDF.

Schritt 4: Ergebnisse ordnen und festhalten

Beheben Sie zuerst die Barrieren, die einen Ablauf ganz blockieren: ein Checkout, der sich nicht per Tastatur abschließen lässt, oder ein Pflichtfeld ohne Beschriftung. Danach folgen Fehler in Vorlagen, die viele Seiten betreffen, und zuletzt Einzelfälle auf einzelnen Seiten.

Halten Sie fest, wann Sie welche Seiten mit welchem Werkzeug geprüft haben und was dabei herauskam. Diese Notizen helfen bei der nächsten Prüfung und bei der Erklärung zur Barrierefreiheit nach § 14 BFSG, die sich nicht automatisch prüfen lässt. Ob das BFSG für Ihr Angebot gilt, ordnet der Selbsttest auf der Seite zum BFSG-Check ein; Hintergründe zum Gesetz finden Sie im Beitrag BFSG seit Juni 2025.

Schritt 5: Nach Änderungen wiederholen

Barrierefreiheit ist kein Zustand, der nach einer Prüfung bestehen bleibt. Ein Theme-Update, ein neues Plugin, ein neues Banner oder ein Bild, das ohne Alternativtext hochgeladen wird, kann neue Barrieren erzeugen. Der automatische Test lässt sich nach jeder größeren Änderung mit wenig Aufwand wiederholen; die manuellen Stichproben lohnen sich vor allem, wenn sich Navigation, Formulare oder der Bestellablauf ändern.

Für einen vollständigen Nachweis empfehlen wir, den automatischen Check durch eine manuelle Prüfung zu ergänzen – bei umfangreichen Shops oder Portalen auch durch Fachleute für digitale Barrierefreiheit. Den automatischen Teil können Sie mit dem kostenlosen Scan sofort erledigen.

Lars Neujeffski

Gründer von ScanCompliance.de. Entwickelt den forensischen Compliance-Scanner, der Websites automatisiert auf über 44 Prüfpunkte zu DSGVO, TDDDG, DDG und BFSG untersucht — die technischen Beispiele in dieser Wissensbank stammen aus realen, anonymisierten Scan-Ergebnissen.