Online-Shop rechtssicher betreiben: Die komplette Checkliste 2026

Wer einen Online-Shop betreibt, muss eine Vielzahl von rechtlichen Anforderungen beachten. Von der Impressumspflicht über die Widerrufsbelehrung bis hin zum neuen Barrierefreiheitsstärkungsgesetz – die regulatorische Landschaft wird immer komplexer. Diese umfassende Checkliste hilft Ihnen, den Überblick zu behalten und typische Abmahnfallen zu vermeiden.
1. Impressum und Anbieterkennzeichnung
Nach § 5 DDG (ehemals TMG) muss jeder Online-Shop ein vollständiges Impressum bereithalten. Es muss von jeder Seite des Shops mit maximal zwei Klicks erreichbar sein. Pflichtangaben umfassen unter anderem den vollständigen Namen des Unternehmens, die Anschrift, E-Mail-Adresse, Handelsregisternummer und bei Kapitalgesellschaften die Vertretungsberechtigten.
Besonders wichtig für Online-Shops: Seit Februar 2024 müssen im Impressum auch Angaben zur alternativen Streitbeilegung gemacht werden – entweder ein Link zur OS-Plattform der EU oder die Erklärung, dass man nicht an einem Streitbeilegungsverfahren teilnimmt.
2. Datenschutzerklärung nach DSGVO
Die Datenschutzerklärung muss alle Verarbeitungstätigkeiten im Shop dokumentieren: Server-Logfiles, Kundenkonto-Daten, Bestellprozess, Payment-Provider, Newsletter, Tracking und eingebettete Drittanbieter-Inhalte. Jeder Dienst benötigt eine Beschreibung des Zwecks, der Rechtsgrundlage und der Speicherdauer.
3. Cookie-Banner und Consent-Management
Nach § 25 TDDDG benötigen Sie für nicht-notwendige Cookies eine vorherige Einwilligung. Das betrifft insbesondere Tracking-Tools wie Google Analytics, Remarketing-Pixel und personalisierte Werbung. Session-Cookies und Warenkorb-Cookies sind als technisch notwendig einzustufen und benötigen keine Einwilligung.
4. Widerrufsbelehrung und Widerrufsformular
Verbraucher haben bei Online-Käufen ein 14-tägiges Widerrufsrechtnach §§ 312g, 355 BGB. Die Widerrufsbelehrung muss den gesetzlichen Mustertext verwenden und dem Kunden spätestens bei Vertragsschluss auf einem dauerhaften Datenträger zur Verfügung gestellt werden. Zusätzlich muss ein Muster-Widerrufsformular bereitgestellt werden.
Häufiger Fehler: Die Widerrufsbelehrung wird nur auf der Website angezeigt, aber nicht in der Bestellbestätigungs-E-Mail mitgesandt. Das kann dazu führen, dass die Widerrufsfrist nicht zu laufen beginnt und Kunden auch nach Monaten noch widerrufen können.
5. Preisangaben und PAngV
Die Preisangabenverordnung (PAngV) schreibt vor, dass Preise als Bruttopreise (inkl. MwSt.) angegeben werden müssen. Zusätzlich ist ein Grundpreis pro Mengeneinheit erforderlich (z.B. Preis pro kg, pro Liter). Bei Streichpreisen muss klar sein, worauf sich der durchgestrichene Preis bezieht – seit 2022 ist das der niedrigste Preis der letzten 30 Tage.
6. AGB und Vertragsschluss
AGB sind für Online-Shops zwar nicht gesetzlich vorgeschrieben, aber dringend empfohlen. Wenn Sie AGB verwenden, müssen diese vor Vertragsschluss wirksam einbezogen werden – der Kunde muss die Möglichkeit haben, sie zur Kenntnis zu nehmen und zuzustimmen. Der Bestellprozess muss klar machen, wann ein verbindlicher Vertrag zustande kommt.
7. SSL-Verschlüsselung
Ein gültiges SSL-Zertifikat (HTTPS) ist für Online-Shops nicht nur aus Sicherheitsgründen Pflicht, sondern auch nach Art. 32 DSGVO als technische Maßnahme zum Schutz personenbezogner Daten vorgeschrieben. Achten Sie darauf, dass alle Seiten über HTTPS erreichbar sind und HTTP-Anfragen automatisch weitergeleitet werden.
8. Barrierefreiheit (BFSG)
Seit Juni 2025 müssen Online-Shops das Barrierefreiheitsstärkungsgesetzbeachten. Die Anforderungen betreffen unter anderem Farbkontraste, Tastaturbedienbarkeit, ALT-Texte und Formulargestaltung. Die Kleinstunternehmerausnahme gilt nur für Dienstleistungen, nicht für den Produktverkauf.
9. Lieferzeiten und Verfügbarkeitsangaben
Nach der Rechtsprechung des BGH müssen Online-Shops klare und konkrete Lieferzeitangaben machen. Formulierungen wie "Lieferung in der Regel innerhalb von 3-5 Werktagen" sind problematisch – besser ist eine feste Angabe wie "Lieferzeit: 3-5 Werktage". Bei nicht sofort lieferbaren Produkten muss dies deutlich gekennzeicnet werden.
10. Gewährleistung und Garantie
Verbraucher haben eine gesetzliche Gewährleistungsfrist von zwei Jahren. Seit Januar 2022 gilt zudem eine Beweislastumkehr zugunsten des Verbrauchers für die ersten 12 Monate (statt zuvor 6 Monate). Freiwillige Garantien müssen klar von der gesetzlichen Gewährleistung abgegrenzt werden.
Die komplette Checkliste zum Abhaken
- ☐Impressum vollständig und von jeder Seite erreichbar
- ☐Datenschutzerklärung aktuell und alle Dienste dokumentiert
- ☐Cookie-Banner korrekt konfiguriert, kein Tracking vor Consent
- ☐Widerrufsbelehrung mit Musterformular, auch in Bestätigungs-E-Mail
- ☐Preise als Bruttopreise mit Grundpreisangabe
- ☐Streichpreise mit 30-Tage-Tiefstpreis-Angabe
- ☐AGB wirksam einbezogen und per Checkbox bestätigt
- ☐SSL-Zertifikat aktiv, HTTP-Weiterleitung eingerichtet
- ☐Barrierefreiheit nach BFSG/WCAG 2.1 AA geprüft
- ☐Konkrete Lieferzeitangaben bei allen Produkten
- ☐Bestellbutton mit "Zahlungspflichtig bestellen" beschriftet
- ☐Google Fonts lokal gehostet (kein CDN-Laden)
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